Sascha Büttner

Sascha Büttner ist ein deutscher Fotograf, der in Limburg an der Lahn lebt und arbeitet. Seine Schwarz-Weiß-Fotografie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Street Photography, Dérive und visueller Recherche. Seine Arbeiten entstehen ausschließlich in Monochrom – ein bewusster Verzicht auf Farbe, der das Sehen auf seine elementaren Bestandteile zurückführt: Licht, Schatten, Kontrast und Struktur.

Die Kamera: Leica Q2 Monochrom

Büttner fotografiert fast ausschließlich mit der Leica Q2 Monochrom. Diese Kamera verfügt über keinen Farbsensor – sie übersetzt die Welt von vornherein in Graustufen. Anders als bei der nachträglichen Konvertierung von Farbbildern entsteht hier ein genuines Schwarz-Weiß-Bild direkt am Sensor. Das Resultat: eine außergewöhnliche Tonalität, feinste Abstufungen zwischen Schwarz und Weiß, eine Schärfe und Detailtreue, die mit konventionellen Kameras nicht zu erreichen ist.

Die Entscheidung für diese Kamera ist programmatisch. Sie zwingt den Fotografen, vor der Aufnahme in Licht und Schatten zu denken, die Welt bereits monochrom zu sehen. Die Reduktion auf Schwarz-Weiß ist kein Filter, sondern eine Haltung.

Für die ganz beiläufigen Bilder – Notizen am Rand, visuelle Eindrücke im Vorübergehen – nutzt Büttner sein iPhone mit der Leica Lux App, ebenfalls in Schwarz-Weiß. Diese Aufnahmen entstehen ohne den Gestus des Fotografierens, oft aus der Bewegung heraus, als flüchtige Registrierungen dessen, was sich im Alltag zeigt. Das Smartphone als Skizzenbuch: schnell, unauffällig, immer dabei. Die Trennung zwischen den beiden Werkzeugen entspricht unterschiedlichen Modi des Sehens – hier die konzentrierte Auseinandersetzung mit der Leica, dort das spontane Festhalten mit dem iPhone.

Fotografische Einflüsse und theoretische Grundlagen

Büttners Arbeit steht in der Tradition der japanischen Provoke-Bewegung der späten 1960er Jahre. Fotografen wie Daido Moriyama und Takuma Nakahira brachen radikal mit den Konventionen der dokumentarischen Fotografie. Ihre Bilder waren körnig, unscharf, roh – sie suchten nicht die perfekte Abbildung, sondern den subjektiven Ausdruck einer fragmentierten Wahrnehmung. Diese Ästhetik des Unfertigen, des Beiläufigen, des scheinbar Zufälligen prägt auch Büttners fotografischen Ansatz.

Ein weiterer zentraler Einfluss ist Sergio Larrain, der chilenische Magnum-Fotograf, dessen Arbeiten aus Valparaíso zu den Meilensteinen der Street Photography zählen. Larrains poetischer Blick auf urbane Räume, seine Fähigkeit, im Alltäglichen das Surreale zu entdecken, findet sich in Büttners Limburger Stadtansichten wieder.

Theoretisch orientiert sich Büttner an Vilém Flussers Philosophie der Fotografie. Der tschechisch-brasilianische Medienphilosoph analysierte die Fotografie als apparatgesteuerten Prozess, als Zusammenspiel zwischen Mensch und technischem Bild. Seine Fragen nach dem Verhältnis von Apparat und Fotograf, nach Freiheit und Determination im fotografischen Akt, bilden einen konzeptuellen Rahmen für Büttners Praxis.

Hinzu kommen die Strategien der Situationistischen Internationale, insbesondere das Konzept der Dérive – des absichtslosen Umherschweifens durch städtische Räume. Die Dérive ist keine Flanerie im bürgerlichen Sinne, sondern eine psychogeografische Erkundung, ein Sich-Treiben-Lassen, das verborgene Strukturen und Atmosphären sichtbar macht. Büttners Street Photography folgt diesem Prinzip: kein vorgegebenes Ziel, kein festgelegtes Sujet, sondern Offenheit für das, was der urbane Raum von sich aus preisgibt.

Publikationen

Sascha Büttner hat zahlreiche Fotobücher und Fotoessays veröffentlicht. Zu den wichtigsten zählen:

Deutscher Realismus (2022)

Mit „Deutscher Realismus“ legte Büttner 2022 ein monumentales Werk vor: 440 Seiten, rund 435 Schwarz-Weiß-Fotografien. Der Titel stammt von einem amerikanischen Bildredakteur, der Büttners Arbeiten so charakterisierte – ein nüchterner Blick auf die Welt, Bilder ohne Inszenierung und Dramatik, die unaufgeregt ihre Geschichten erzählen. Fotografien, in denen der Gestus des Fotografen zurücktritt.

Limburg Diaries (2023)

„Limburg Diaries“ versammelt über 240 Schwarz-Weiß-Fotografien aus Limburg an der Lahn, entstanden zwischen 2022 und 2023.

Die Fotografien zeigen Limburg jenseits der touristischen Ansichten. Nicht der Dom dominiert diese Bilder, sondern das Alltägliche: Schatten auf Pflastersteinen, Passanten in Bewegung, Fassaden und Hinterhöfe, das Spiel von Licht in Gassen und auf dem Lahnufer. Es ist ein visuelles Tagebuch, das die Stadt in ihrer alltäglichen Textur erfasst – fragmentarisch, atmosphärisch, persönlich.

Das Buch dokumentiert zwei Jahre fotografische Arbeit an einem Ort. Büttner hat Limburg erwandert, immer wieder dieselben Wege, zu verschiedenen Tageszeiten, bei wechselndem Licht. Ein visuelles Tagebuch.

Arbeitsweise und fotografische Philosophie

Street Photography bedeutet für Büttner nicht das Jagen nach dem entscheidenden Moment, nicht das Suchen nach spektakulären Szenen. Seine Praxis ist langsamer, meditativer. Die Dérive als Methode verlangt Geduld und Aufmerksamkeit. Es geht darum, sich dem Rhythmus der Stadt zu überlassen, die eigene Wahrnehmung zu schärfen, präsent zu sein für das Unscheinbare.

Die Schwarz-Weiß-Fotografie unterstützt diese Haltung. Ohne die Ablenkung durch Farbe tritt die formale Struktur der Bilder in den Vordergrund: Linien, Flächen, Kontraste, das Verhältnis von Hell und Dunkel. Die Monochromie abstrahiert vom Konkreten und öffnet den Blick für das Wesentliche.

Weitere Arbeiten und Projekte

Neben dem Bildband „Limburg Diaries“ veröffentlicht Sascha Büttner seine fotografischen Arbeiten kontinuierlich online. Sein fotografisches Tagebuch unter diary.saschabuettner.com zeigt aktuelle Aufnahmen und fortlaufende Projekte. Die Hauptseite saschabuettner.com bietet einen Überblick über sein Gesamtwerk.


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Weitere Arbeiten:
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